Tierwohl: Was hat die letzte Woche gebracht?

agrartotal (fr/Bonn/Berlin) – Die Initiative Tierwohl hat getagt und die Entscheidung des Deutschen Tierschutzbundes, nicht mehr als Mitglied des Beraterausschusses an der Weiterentwicklung der Initiative mitwirken zu wollen, hat man zur Kenntnis genommen und bedauert, im nachhinein! Vorher konnte die Initiative dies nicht, da der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder, wohl immer noch darauf gehofft hatte, bis zum letzten Augenblick, dass man in der Sitzung, Anfang der Woche, seinen Anregungen, und wohl auch Forderungen, zumindest weiter entgegen kommen würde, was am Ende, zumindest aus der Sicht des Tierschutzbundes, aber nicht der Fall war.

Die Aufkündigung der Mitarbeit des Tierschutzbundes bei der Initiative Tierwohl, war somit die logische Konsequenz. Ein „Schrödxit“ mit Folgen! Wie das jetzt weitergehen wird, ist völlig offen.

Für Thomas Schröder und den Deutschen Tierschutzbund wird es eine Art Befreiungsschlag gewesen sein, immerhin wurde es täglich problematischer, den Mitgliedern des Deutschen Tierschutzbundes, die immer öfter aus der veganen Ecke stammen, die Bedeutung der Mitarbeit im Beirat der Initiativ Tierwohl, zu erklären.

Für die Initiative Tierwohl dürfte es jetzt allerdings schwieriger werden, ihre Kriterien und Maßnahmen in puncto Tierwohl positiv nach außen, einer breiten Öffentlichkeit, den Verbrauchern und natürlich auch den – mit Argusaugen lauernden – NGOs, zu verdeutlichen. Aber auch nach innen, hin zu den zahlenden Beteiligten, wird das Kommunizieren schwieriger, wenn der Deutsche Tierschutzbund dass alles, was die Initiative unternimmt, eben genau nicht für ausreichend hält und das Schiff verlassen hat. Ist ein erfolgreiches Arbeiten ohne Tierschutzbund für die Initiative überhaupt mittelfristig machbar? Die Initiative braucht jetzt auf alle Fälle schnelle Erfolge, auf welchem Gebiet auch immer, damit sie aus der öffentlichen - nichts mit der Facharbeit zu tun habenden - Diskussion heraus kommt und die eigentliche Arbeit beginnen kann.

Viel besser sieht es mit der Tierwohl-Initiative des Bundeslandwirtschaftsministers, Christian Schmidt, aber derzeit auch nicht aus! Aus irgend welchen unerklärlichen Gründen wurde der Abschlussbericht – der Bericht, der die zu erledigenden guten Taten des Ministers in Sachen Tierwohl enthalten soll – nicht mehr öffentlich an den Minister überreicht, sondern – gemessen an früheren Aktionen, wo es sich „nur“ um die Zwischenberichte handelte – zwischen „Tür und Angel“ dem Minister, wohl auch noch auf dessen eigenen Wunsch, in die Hand gedrückt. 

Schließen kann man daraus eigentlich nur, dass des Ministers „freiwillige Verbindlichkeit“, die immer schon auf Interpretationsschwierigkeiten gestoßen war, selbst vom Minister jetzt als gescheitert angesehen wird. Der Minister scheint sich, was das Tierwohl und die Freiwilligkeit betrifft, wohl politisch anders orientiert zu haben!

Dies dürfte insofern von Relevanz sein, da nämlich nunmehr die ganzen Spartenverbände, die mehr oder weniger hoffnungsvoll, aber auch zu oft erfolglos, in Sachen „verbandsbezogenes Tierwohl“ unterwegs waren, kurz- bis mittelfristig ihre Überlegungen in die „ministerielle Tonne“ kloppen können. Aus der Geschäftsidee eines „freiwilligen Tierwohls in eigenverantwortlicher privatwirtschaftlicher Verbindlichkeit“ wird wohl nun nichts mehr werden. Wenn es politisch so weiter läuft – und davon ist wohl auch am Vorabend der Berliner Wahl noch von auszugehen – gehört wahrscheinlich sowieso das ganze "privatwirtschaftliche Tierwohl" im nächsten Herbst der Vergangenheit an. Vielleicht, so könnte man meinen, arbeitet der Minister ja jetzt schon an den Schnittmengen einer möglichen neuen, dann schwarz-grünen, Regierung.

Erschwerend kommt außerdem noch hinzu, dass sich der Bundeslandwirtschaftsminister nicht nur in der letzten Haushaltsdebatte im Bundestag herbe Vorwürfe seines Koalitionspartners anhören musste, sondern dass ganz Ministerium langsam zu einer „Schießbude“ mutiert! Nicht nur die Opposition, allen voran die Grünen, schießen sich verbal auf den Minister ein, sondern die eigenen Kabinettsmitglieder erhoffen sich bei der „Plünderung“ der ureigensten BMEL-Interessen, bzw. der harten Kritik an dem Ministerium, der dortigen Aufgabenbewältigung und nicht zuletzt auch an der politischen Führung, die Gunst der Wähler zu erlangen. Der grünen Wähler, zumindest aber diejengen Wähler, die die "Politik" des BMEL nicht mehr mittragen wollen! So „ballert“ – aber nicht nur - die Umweltministerin ungestraft eine nach der anderen Breitseite – völlig unwidersprochen und ohne erkennbare Gegenwehr – auf das Bundeslandwirtschaftsministerium und dessen Führung ab. Erfolgreich, wie man in der gesamten Presse nachlesen kann und selbst die öffentlich rechtlichen TV-Anstalten sehen und stigmatisieren  inzwischen in der "Massentierhaltung" das grundsätzliche Übel aller Dinge!

Das inzwischen auch noch das Bundeswirtschaftsministerium – ohne das es die Agrarbranche überhaupt realisiert hat – einen nicht so „recht“ laufenden Berufszweig – mittels zu erfüllender Vorgaben – an die Kandare genommen hat, was evtl. durchaus auch den Tiertransporteuren passieren könnte – hat derzeit wohl noch keiner richtig „auf dem Schirm“ – vielleicht dann aber ab der nächster Woche? (von Hagen Fricke)

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