Agrarministerkonferenz in Rostock

agrartotal (dtb/Bonn) - Die Landwirtschaftsminister des Bundes und der Länder debattieren auf der vom 7. bis 9. September in Rostock, Mecklenburg-Vorpommern, stattfindenden Agrarministerkonferenz (AMK) über mehrere Tierschutzthemen. Auf der Tagesordnung stehen unter anderem die Kastenstandhaltung von Sauen und die Überarbeitung der EU-Ökoverordnung. Der Deutsche Tierschutzbund fordert die Minister auf, sich klar für den Tierschutz zu positionieren und für das Verbot der Kastenstandhaltung von Sauen einzusetzen.

Gleichzeitig appelliert der Verband an die AMK, trotz der zähen Verhandlungen weiter an der Überarbeitung der EU-Öko-Verordnung festzuhalten, da wichtige Tierschutz-Verbesserungen sonst nicht umgesetzt würden, und gleichzeitig nach Lösungen zu suchen, um für umstellungswillige landwirtschaftliche Betriebe Rechtssicherheit zu bieten.

„Sauen in Kastenständen sind ein trauriges Sinnbild für ein kaputtes System, in dem die Tiere der Haltung angepasst werden und nicht umgekehrt. Die AMK hat die Chance, wissenschaftlicher Expertise zu folgen und das Verbot der Kastenstandhaltung einzuleiten“, kommentiert Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. 

Gleich zwei Fachgutachten, eines der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und eines des Kuratoriums für Technik u. Bauwesen in der Landwirtschaft (KTBL), bezeichnen die Haltung von Sauen in Kastenständen im herkömmlichen System als nicht verhaltens- und tiergerecht. Ein Antrag der  grün geführten Ressorts fordert das Bundeslandwirtschaftsministerium auf, die Tierschutz-Nutztierhaltungs-verordnung anzupassen und Begleitmaßnahmen zum Auslaufen der Kastenstandhaltung von Sauen zu schaffen. 

Hintergrund: Kastenstände bei Sauen

Die Einzelhaltung im Kastenstand ist aus Tierschutzsicht tierquälerisch. Sauen werden pro Abferkelzyklus ca. neun Wochen im Kastenstand fixiert. Bereits vor der Geburt ihrer Ferkel werden sie so stark in ihrem elementaren Grundbedürfnis zur Bewegung eingeschränkt. Die Nutzung des Kastenstandes wird oft dadurch begründet, dass die Sauen davon abgehalten werden müssen, ihre Ferkel beim Ablegen versehentlich zu erdrücken. Infolge des Bewegungsmangels und der Enge im Stand kommt es zu Verletzungen, wie Abschürfungen, Druckstellen bis hin zu Geschwüren und anderen Erkrankungen. Viele Sauen entwickeln außerdem Verhaltensstörungen wie z.B. Aggressionen - auch gegenüber den eigenen Ferkeln. 

Einige Bundesländer fordern aufgrund der zähen und langwierigen Verhandlungen auf EU-Ebene ein Ende der Revision der EU-Öko-Verordnung. Die Revision abzubrechen ist aus Sicht des Deutschen Tierschutzbundes nicht zielführend: einige erarbeitete Verbesserungen für den Tierschutz würden bei einem Scheitern vermutlich nicht umgesetzt. So würde beispielsweise verhindert werden, dass eine neue Regelung zur Auswahl geeigneter Geflügelrassen für die Mast zum Tragen kommt. Bisher wird auch in der Bio-Landwirtschaft häufig schnellwachsendes Hochleistungsgeflügel eingesetzt, mit all den damit verbundenen gesundheitlichen Problemen. Im Rahmen der Revision soll vorgeschrieben werden, dass nur Geflügel langsamer wachsender Rassen gemästet werden darf, ein großer Schritt für den Tierschutz.

Gleichzeitig unterstützt der Deutsche Tierschutzbund Bemühungen, bis zum Ende der Revision Maßnahmen einzuleiten, die den auf Öko-Produktion umstellungswilligen Landwirten Rechtsicherheit bieten.

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